Teil des Leitfadens Teichbuch führen: Was Teichwirtschaften aufzeichnen müssen
Veröffentlicht am 01.11.2026
Mortalität je epidemiologischer Einheit: Was täglich zu erfassen ist
Tote Fische gehören zum Alltag jeder Teichwirtschaft. Wichtig ist, sie aufzuschreiben, und zwar nicht als Gesamtzahl für den Betrieb, sondern je epidemiologischer Einheit. So verlangt es Art. 186 Abs. 1 der Verordnung (EU) 2016/429. Die Aufzeichnung ist kein Selbstzweck: Sie ist das wichtigste Frühwarnsystem für Seuchen in deinem Betrieb. Die Mortalität ist einer von mehreren Teilen im Teichbuch, zusammen mit Bestandsregister, Zu- und Abgängen und Nachweisen.
Was eine epidemiologische Einheit ist
Eine epidemiologische Einheit ist nach Art. 4 Nr. 39 AHL eine Gruppe von Tieren, die mit gleich hoher Wahrscheinlichkeit einem Seuchenerreger ausgesetzt sind. In der Teichwirtschaft entscheidet meist das Wasser:
- Teiche, die hintereinander vom selben Zulauf gespeist werden, bilden oft eine Einheit. Was oben im Wasser ist, kommt unten an.
- Becken in einer Kreislaufanlage mit gemeinsamem Filter sind eine Einheit.
- Ein Teich mit eigenem Brunnen und eigenem Ablauf kann eine eigene Einheit sein.
- Gemeinsam genutzte Geräte ohne Desinfektion können Einheiten verbinden.
Welche Einheiten du hast, legst du am besten zusammen mit deinem Tierarzt oder beim Tiergesundheitsbesuch fest und schreibst es auf. Innerhalb einer epidemiologischen Einheit kannst du trotzdem je Teich erfassen. Das ist sogar besser, weil du dann siehst, wo die Verluste anfangen.
Was du täglich notierst
Bewährt hat sich ein Tageseintrag je Einheit mit diesen Angaben:
- Datum.
- Anzahl toter Fische je Art. Auch 0, wenn keine Verluste da waren.
- Gewicht, wenn du es schnell erfassen kannst, etwa bei größeren Fischen.
- Vermutete Ursache: unbekannt, Sauerstoffmangel, Temperatur, Krankheit, Prädator wie Reiher oder Kormoran, Handling nach Sortieren oder Abfischen.
- Wassertemperatur und, wenn du misst, Sauerstoff.
- Auffälligkeiten: Fische stehen am Zulauf, schwimmen taumelnd, fressen nicht.
Die Temperatur ist doppelt wichtig. Sie erklärt Verluste, und du brauchst sie für die Wartezeit nach Behandlungen. Mehr dazu im Artikel Tagesgrade berechnen.
Warum auch die Null zählt
Viele schreiben nur auf, wenn Fische sterben. Für eine Kontrolle ist das schwach: Ein leerer Tag kann heißen, dass keine Fische gestorben sind, oder dass niemand nachgesehen hat. Wer Tage ohne Verluste ausdrücklich mit 0 einträgt, zeigt, dass jeden Tag kontrolliert wurde. Erst damit lässt sich auch erkennen, ob die Verluste gerade steigen.
Wann die Mortalität erhöht ist
Eine feste gesetzliche Schwelle gibt es nicht. § 7 Abs. 3 FischSeuchV spricht nur von einer erhöhten Sterblichkeitsrate. Zwei einfache Faustregeln helfen beim Erkennen:
- Anteil am Bestand. Rechne die Verluste eines Tages gegen den Bestand am Morgen. 10 von 1000 Fischen sind 1 %. Was für deinen Betrieb normal ist, hängt von Art, Alter und Jahreszeit ab. Brut hat höhere Verluste als Speisefische.
- Vergleich mit den Vortagen. Liegen die Verluste deutlich über dem Mittel der letzten 7 Tage, ist das ein Warnsignal, auch wenn die absolute Zahl klein ist. Wer sonst einen Fisch am Tag findet und plötzlich 5 Fische, sollte genauer hinsehen.
Lege die Schwellen mit deinem Tierarzt fest. Wichtig ist, dass du sie kennst und danach handelst.
Was du bei erhöhter Mortalität tust
- Ursache suchen. Sauerstoff messen, Zulauf prüfen, auf Prädatoren achten, Fische anschauen.
- Tierarzt informieren. Bei unklarer Ursache, bei Krankheitszeichen oder wenn die Verluste weiter steigen.
- Proben nehmen lassen. Untersuchungen nach erhöhter Mortalität oder Seuchenverdacht gehören nach Art. 22 der Delegierten Verordnung (EU) 2020/691 in deine Aufzeichnungen.
- Veterinäramt. Erhöhte Sterblichkeit, die sich nicht eindeutig durch Haltung oder Transport erklärt, musst du nach § 7 Abs. 3 FischSeuchV unverzüglich mitteilen. Hast du Gründe für den Verdacht auf eine gelistete Seuche wie VHS, IHN oder KHV, gilt seit dem 11. März 2026 die Meldepflicht nach § 3 der Tierseuchenmeldeverordnung.
- Verbringungen stoppen. Gib bis zur Klärung keine lebenden Fische aus der betroffenen Einheit ab.
- Alles aufschreiben. Was du festgestellt hast, wen du wann informiert hast, was die Ergebnisse waren.
Ein Beispiel aus der Praxis
Eine Forellenanlage hat sechs Rinnen an einem gemeinsamen Bachzulauf und zwei Teiche mit eigenem Brunnen. Der Tierarzt legt beim Tiergesundheitsbesuch zwei epidemiologische Einheiten fest: die Rinnen am Bach und die Brunnenteiche.
Im Sommer findet der Mitarbeiter morgens in Rinne 4 deutlich mehr tote Fische als an den Vortagen. In den anderen Rinnen ist alles ruhig. Weil jede Rinne einzeln erfasst ist, fällt sofort auf, wo es anfängt. Er misst Sauerstoff und Temperatur. Das Wasser ist warm, der Sauerstoff niedrig. Er schreibt als Ursache Sauerstoff, erhöht die Belüftung und informiert den Betriebsleiter.
Am nächsten Tag sind die Verluste wieder normal. Ohne die tägliche Erfassung je Rinne wäre der Vorfall vielleicht gar nicht aufgefallen. Hätten die Verluste trotz Belüftung weiter zugenommen, wäre der nächste Schritt der Tierarzt gewesen, mit Proben aus Rinne 4 und einem Blick auf die übrigen Rinnen am selben Zulauf.
Ursachen richtig benennen
Die Ursache ist oft nur eine Vermutung, und das ist in Ordnung. Schreib lieber "unbekannt" als eine Ursache, die du nicht belegen kannst. Wer bei jedem Verlust "Reiher" einträgt, übersieht vielleicht eine beginnende Krankheit. Umgekehrt hilft eine klare Ursache wie Sauerstoffmangel nach einem Gewitter später, eine Verlustspitze zu erklären. Wenn sich die Ursache später ändert, etwa nach einem Laborbefund, ergänze den Eintrag und vermerke, woher die neue Erkenntnis stammt.
Bei Seuchenverdacht täglich
Hat das Veterinäramt einen Seuchenverdacht festgestellt, ordnet es an, was du tun und aufzeichnen musst. Dann zählt jeder Tag, auch wenn du sonst nur gelegentlich erfasst. Richte dir für diesen Fall eine feste Erinnerung ein.
Aufbewahren
Die Aufzeichnungen zur Mortalität bewahrst du wie alle Aufzeichnungen nach Art. 186 AHL mindestens 3 Jahre auf. Die vollständige Liste steht im Artikel Aufzeichnungspflichten nach Art. 186 AHL.
Kurz zusammengefasst
- Verluste je epidemiologischer Einheit aufzeichnen, besser noch je Teich.
- Täglich kontrollieren und auch die Null eintragen.
- Ursache, Temperatur und Auffälligkeiten mitschreiben.
- Schwellen für erhöhte Mortalität mit dem Tierarzt festlegen und danach handeln.
Teichwart für die Tageserfassung
In Teichwart erfasst du alle Einheiten auf einer Seite am Smartphone, mit großen Tasten auch mit Handschuhen. Einheiten ohne Verluste werden mit 0 gespeichert. Steigen die Verluste über deine Schwelle, zeigt die App einen Hinweis und schreibt einen Eintrag ins Ereignisprotokoll. Im Verdachtsmodus erinnert sie dich täglich an die Erfassung. Teste es kostenlos.
Quellen
Rechtstexte und Merkblätter, auf die sich dieser Artikel stützt. Stand 01.11.2026.
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Häufige Fragen
- Muss ich wirklich jeden Tag etwas eintragen?
- Art. 186 AHL schreibt kein Intervall vor. Ein tägliches Kontrollieren und Notieren ist aber fachüblich, und bei einem Seuchenverdacht legt das Veterinäramt fest, was du erfassen musst. Wer täglich erfasst, hat im Ernstfall einen lückenlosen Nachweis.
- Was ist, wenn ich tote Fische nicht zählen kann, etwa im großen Karpfenteich?
- Notiere, was du siehst, und schätze, wo nötig. Schreib dazu, dass es eine Schätzung ist. Bei der Abfischung gleichst du den Bestand ab und buchst die Differenz als Schwund.
- Ab wann ist die Mortalität erhöht?
- Eine feste gesetzliche Schwelle gibt es nicht. Die Fischseuchenverordnung spricht nur von einer erhöhten Sterblichkeitsrate. Maßgeblich ist, was für deinen Betrieb, die Art und die Jahreszeit normal ist. Sprich mit deinem Tierarzt über sinnvolle Schwellen.