Zum Inhalt springen

Teil des Leitfadens Tierarzneimittel bei Fischen: Bestandsbuch, Wartezeit und Tagesgrade

Veröffentlicht am 01.11.2026

Tagesgrade berechnen: Wartezeit bei 5, 10 und 15 °C

Bei Fischen steht die Wartezeit nach einer Behandlung meist in Tagesgraden, abgekürzt °d. Das ist fachlich sinnvoll, denn Fische bauen Arzneimittel je nach Wassertemperatur unterschiedlich schnell ab. Für die Planung brauchst du aber Kalendertage: Wann darf ich wieder abfischen und verkaufen? Hier steht, wie die Umrechnung funktioniert und worauf du achten musst.

Den rechtlichen Rahmen dazu, vom Bestandsbuch bis zur Umwidmung, findest du im Leitfaden Tierarzneimittel bei Fischen.

Die Formel

Die Verordnung (EU) 2019/6 gibt Wartezeiten für Wassertiere als Gradtagzahl an (Art. 115 Abs. 1 Buchst. d). Gerechnet wird so: Für jeden Tag nach der letzten Anwendung addierst du die mittlere Wassertemperatur des Tages. Ein Tag mit 10 °C bringt 10 °d. Sobald die Summe die geforderten °d erreicht, ist die Wartezeit abgelaufen.

Bei gleichbleibender Temperatur kannst du abkürzen:

Wartezeit in Tagen = °d ÷ mittlere Wassertemperatur

Das Ergebnis rundest du auf den nächsten vollen Tag auf. Einen halben Tag Wartezeit gibt es nicht.

Beispiele bei 5, 10 und 15 °C

Wartezeit bei 5 °C bei 10 °C bei 15 °C
500 °d 100 Tage 50 Tage 34 Tage
250 °d 50 Tage 25 Tage 17 Tage
150 °d 30 Tage 15 Tage 10 Tage

500 °d bei 10 °C = 50 Tage, bei 5 °C = 100 Tage. Die 500 °d sind ein häufiger Wert, weil sie bei einer Umwidmung gelten, wenn das Mittel für keine Lebensmittel liefernde Tierart zugelassen ist, und weil sie die Obergrenze bei Mitteln für Landtiere sind. Mehr dazu im Artikel Umwidmung bei Fischen.

Die Temperatur schwankt: Rechne Tag für Tag

In der Praxis ist das Wasser selten gleichbleibend warm. Im Frühjahr steigt die Temperatur, im Herbst fällt sie. Dann rechnest du nicht mit einem Mittelwert über die ganze Zeit, sondern Tag für Tag:

  1. Notiere die letzte Anwendung, zum Beispiel den 3. Mai.
  2. Ab dem 4. Mai trägst du jeden Tag die mittlere Wassertemperatur ein.
  3. Du addierst die Werte fortlaufend.
  4. An dem Tag, an dem die Summe die Wartezeit erreicht, ist sie abgelaufen.

Beispiel mit einer Wartezeit von 100 °d: Die ersten 7 Tage liegt das Wasser bei 10 °C, das macht 70 °d. Dann wird es wärmer, 3 Tage mit 12 °C bringen 36 °d. Nach 10 Tagen sind 106 °d erreicht, die Wartezeit ist am zehnten Tag abgelaufen.

Eine Prognose für die Planung

Mitten in der Wartezeit willst du wissen, wann es voraussichtlich so weit ist. Dafür nimmst du die bisherige Summe, ziehst sie von der Wartezeit ab und teilst den Rest durch eine erwartete Tagestemperatur. Teichwart nimmt dafür das Mittel der letzten 7 Tage.

Beispiel: Wartezeit 500 °d, nach 30 Tagen sind 380 °d erreicht. Es fehlen 120 °d. Die letzten 7 Tage lag das Wasser im Mittel bei 15 °C. 120 °d geteilt durch 15 °C ergibt 8 Tage. Die Freigabe ist also voraussichtlich in 8 Tagen.

Eine Prognose bleibt eine Prognose. Fällt die Temperatur, verschiebt sich die Freigabe. Abgeben darfst du erst, wenn die Summe tatsächlich erreicht ist.

Fehlende Temperaturen

Wer täglich misst, hat trotzdem Lücken: Urlaub, Krankheit, ein vergessener Tag. Teichwart übernimmt in diesem Fall den letzten bekannten Wert und markiert den Tag als geschätzt. Im Zweifel rechnest du vorsichtig. So bleibt die Summe nachvollziehbar, und jeder sieht, wo geschätzt wurde.

Steigt die Temperatur gerade stark, kann das Übernehmen des letzten Werts die Summe unterschätzen. Fällt sie, wird sie überschätzt. Halte während einer laufenden Wartezeit Lücken deshalb so klein wie möglich.

Tage unter null

Im Winter kann das Wasser in flachen Teichen nahe 0 °C liegen, unter Eis auch darunter. Solche Tage zählen mit 0 °d, nie negativ. Eine Behandlung im Spätherbst kann einen Teich deshalb über Monate sperren.

Mehrere Teiche, eine Behandlung

Oft behandelt der Tierarzt mehrere Einheiten gleichzeitig, etwa alle Teiche an einem Zulauf. Die Wartezeit ist dann für alle gleich, die Tagesgrade aber nicht unbedingt. Ein flacher, sonniger Teich erwärmt sich schneller als ein tiefer, beschatteter. Der flache Teich ist deshalb oft früher frei.

Rechne die Tagesgrade deshalb je Einheit mit ihrer eigenen Temperatur, wenn du sie misst. Misst du nur am gemeinsamen Zulauf, gilt dieser Wert für alle angeschlossenen Teiche. Das ist in Ordnung, solange du es konsequent so machst und dokumentierst, wo gemessen wurde.

Gibst du Fische aus einem behandelten Teich ab, prüfe vorher für genau diesen Teich, ob die Summe erreicht ist. Umgesetzte Fische nehmen ihre Wartezeit mit, denn sie hängt an den behandelten Tieren, nicht am Teich (Art. 4 Nr. 34 der Verordnung). Wer Fische während der Wartezeit in einen unbehandelten Teich setzt, muss die Wartezeit dort weiter beachten.

Wo du misst

  • Immer an derselben Stelle. Zulauf, Ablauf und Teichmitte können mehrere Grad auseinanderliegen.
  • Immer zur gleichen Zeit. Morgens ist das Wasser kälter als am Nachmittag. Wer zweimal misst, nimmt das Mittel.
  • Je Einheit, wenn sie sich unterscheiden. Teiche an einem gemeinsamen Zulauf haben oft ähnliche Werte. Ein flacher Teich erwärmt sich aber schneller als ein tiefer.

Typische Fehler

  • Der Behandlungstag wird mitgezählt. Gezählt wird ab dem Tag nach der letzten Anwendung.
  • Bei einer mehrtägigen Behandlung wird ab dem ersten Tag gezählt statt ab dem letzten.
  • Die Lufttemperatur wird statt der Wassertemperatur genommen.
  • Die Wartezeit wird einmal in Tage umgerechnet und nicht mehr an die tatsächlichen Temperaturen angepasst.

Kurz zusammengefasst

  • Summe der mittleren Wassertemperaturen ab dem Tag nach der letzten Anwendung.
  • Bei gleichbleibender Temperatur: °d ÷ Temperatur, aufrunden.
  • 500 °d sind bei 5 °C etwa ein Vierteljahr, bei 15 °C gut einen Monat.
  • Lücken als geschätzt markieren, Tage unter 0 °C zählen 0.

Rechner und App

Mit dem kostenlosen Wartezeit-Rechner gibst du Wartezeit, letzte Anwendung und Temperaturen ein und bekommst das voraussichtliche Freigabedatum mit einer Tabelle je Tag. In Teichwart läuft die Rechnung automatisch mit den Temperaturen aus deiner Tageserfassung, geschätzte Tage sind markiert. Teste es kostenlos.

Quellen

Rechtstexte und Merkblätter, auf die sich dieser Artikel stützt. Stand 01.11.2026.

  1. eur-lex.europa.eu: 6/oj
  2. gesetze.legal: vo_eu_2019_6/115
  3. gesetze.legal: vo_eu_2019_6/4

Häufige Fragen

Ab welchem Tag zähle ich die Tagesgrade?
Ab dem Tag nach der letzten Anwendung. Der Behandlungstag selbst zählt nicht mit.
Welche Temperatur nehme ich, morgens oder mittags?
Gemeint ist die mittlere Wassertemperatur des Tages. Wer nur einmal misst, sollte immer zur gleichen Zeit und an der gleichen Stelle messen. Mehrere Messungen am Tag kannst du mitteln.
Was mache ich an Tagen ohne Messung?
Teichwart übernimmt den letzten bekannten Wert und markiert den Tag als geschätzt. Besser ist es, solche Lücken zu vermeiden, gerade während einer Wartezeit. Im Zweifel rechnest du vorsichtig und wartest lieber einen Tag länger.
Zählen Tage unter 0 °C negativ?
Nein. Ein Tag zählt mit seiner mittleren Temperatur, aber nie mit weniger als 0 °d. So rechnet auch Teichwart.