Teil des Leitfadens Tierarzneimittel bei Fischen: Bestandsbuch, Wartezeit und Tagesgrade
Veröffentlicht am 08.11.2026
Wartezeit in Tagesgraden: Tabelle zum Umrechnen in Tage
Bei Fischen läuft die Wartezeit nicht in Tagen, sondern in Tagesgraden (°d): Jeder Tag bringt so viele Tagesgrade, wie das Wasser im Mittel Grad Celsius hat. Die Tabelle unten zeigt, wie viele Tage eine Wartezeit bei gleichbleibender Temperatur dauert. Sie ist eine Orientierung. Die Wartezeit selbst legt die Zulassung des Arzneimittels oder der Tierarzt fest, die Tabelle und Teichwart entscheiden sie nie.
So liest du die Tabelle
Die Formel ist einfach: Tage = Wartezeit in °d ÷ mittlere Wassertemperatur in °C. Das Ergebnis rundest du auf. Bei 500 °d und 10 °C ergibt das 50 Tage, bei 5 °C sind es 100 Tage. Die Rechenbasis erklärt der Artikel Tagesgrade berechnen, den Rechtsrahmen der Leitfaden Tierarzneimittel bei Fischen.
Die Tabelle
Dauer in Tagen bei gleichbleibender Wassertemperatur (aufgerundet):
| Wartezeit | 5 °C | 10 °C | 15 °C |
|---|---|---|---|
| 150 °d | 30 | 15 | 10 |
| 250 °d | 50 | 25 | 17 |
| 500 °d | 100 | 50 | 34 |
Die Spalten zeigen bewusst nur drei Temperaturen. Dazwischen liegt eine Rechnung, die du mit dem Wartezeit-Rechner Tagesgrade aus deinen echten Tagestemperaturen machst.
Wo die Tabelle an ihre Grenze stößt
- Die Temperatur schwankt. Im Frühjahr steigt sie, im Herbst fällt sie. Eine Tabelle mit festen Werten trifft das nicht. Rechne Tag für Tag, ein Tag mit 10 °C bringt 10 °d.
- Der Behandlungstag zählt in Teichwart nicht. Die Rechnung beginnt am Tag nach der letzten Anwendung. Wie bei deinem Mittel gezählt wird, sagt dir die Fachinformation oder dein Tierarzt.
- Mehrere Teiche, mehrere Werte. Jede behandelte Einheit hat ihre eigene Summe, wenn die Temperaturen unterschiedlich sind.
- Fehlende Messungen. Fehlt ein Tag, schätze mit dem letzten Wert und markiere ihn als geschätzt.
Wer die Wartezeit festlegt
Die Wartezeit ist nach Art. 4 Nr. 34 der Verordnung (EU) 2019/6 die Zeit zwischen der letzten Verabreichung und der Erzeugung von Lebensmitteln von diesem Tier. Bei Fischen steht sie in der Zulassung des Arzneimittels. Wird ein Mittel außerhalb der Zulassung angewendet, legt der Tierarzt sie fest. Für die Umwidmung mit einem Mittel, das für keine Lebensmittel liefernde Tierart zugelassen ist, nennt Art. 115 Abs. 1 Buchst. d Ziffer iii als Mindestwert 500 Gradtage. Ist das Mittel nur für Landtiere zugelassen, gilt nach Ziffer ii die längste dort genannte Wartezeit mal 50, jedoch nicht länger als 500 Gradtage; ist die längste Wartezeit für eine beliebige Tierart null, nennt Ziffer iv 25 Gradtage. Welche Zahl für deinen Fall gilt, entscheidet der Tierarzt. Wie die Umwidmung funktioniert, erklärt der Artikel Umwidmung bei Fischen.
Dokumentieren
Trage die Wartezeit mit Quelle (Zulassung oder Tierarzt) ins Tierarzneimittel-Bestandsbuch ein, auch wenn sie null ist. Die Tabelle gehört nicht ins Buch, sondern die Summe der Tagesgrade und das Datum der Freigabe.
Teichwart rechnet mit
Teichwart summiert die Tagesgrade aus den erfassten Wassertemperaturen ab dem letzten Anwendungstag, zeigt den Fortschritt und die voraussichtliche Freigabe und sperrt den Abgang als Speisefisch bis zum Ende der Wartezeit. Die Wartezeit trägst du ein, Teichwart legt sie nicht fest.
Quellen
Rechtstexte und Merkblätter, auf die sich dieser Artikel stützt. Stand 08.11.2026.
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Häufige Fragen
- Wer legt die Wartezeit in Tagesgraden fest?
- Die Zulassung des Arzneimittels oder, bei Anwendung außerhalb der Zulassung, der Tierarzt. Die Tabelle rechnet nur um, sie entscheidet nichts.
- Darf ich die Tabelle für die Freigabe eines Teichs nutzen?
- Nein. Sie gilt für eine gleichbleibende Temperatur und zeigt eine Größenordnung. Für die Freigabe zählt die tatsächliche Summe der Tagesgrade und die Entscheidung des Tierarztes.
- Warum dauert die Wartezeit bei kaltem Wasser länger?
- Weil jeder Tag weniger Tagesgrade bringt. Bei 5 °C sammelst du pro Tag halb so viele wie bei 10 °C.